Moorbahn

Die Entdeckung der Moortherapie in Bad Schwalbach und die von Dr. med. Adolf Böhm propagierte besonders gute Wirkungsweise in Verbindung mit dem hiesigen Heilwasser, stieß auf so eine überwältigende Resonanz, dass der Bau einer speziellen, leistungsfähigen Moorbadeanstalt unabdingbar wurde. 1905 eröffnete deshalb das damals mit modernster Technik ausgestattete königliche Moorbadehaus in der Parkstraße 11.

Damit reichten auch die örtlichen Moorvorkommen nicht mehr aus und so musste zwischen 1905 und 1936 Torf aus naheliegenden Wiesentälern, überwiegend aus dem Laubachtal bei Born, zugekauft werden. Für die Lagerung und zur Regeneration wurden im hinteren Kurpark im Gerstruthtal Moorgruben mit einem Fassungsvermögen zwischen rund 3.000 und 6.000 m³ künstlich angelegt und mehrfach verändert. Der Abbau des Torfes ging per Hand vonstatten, der Transport erfolgte per Pferdefuhrwerk.

1926 wurde dann für eine effektivere Bewirtschaftung die Moorbahn installiert. Die Feldbahn mit 600 mm Spurbreite brachte das Trockenmoor zur 1,5 km entfernten Aufbereitungsanlage oberhalb des Moorbadehauses und transportierte den „abgebadeten“ Moorbrei wieder zurück in die Gruben, wo er rund zehn Jahre Zeit zum Regenerieren hatte, bis er erneut abgebaut werden konnte. Ein Moorzug bestand üblicherweise aus einer wegen der Bremswirkung talabwärts fahrenden Lok und fünf bis sechs Kipploren. Dabei musste auf der stetig ansteigenden Strecke eine Höhendifferenz von 35 m überwunden werden, was bei feuchtem oder Frostwetter nicht ganz unproblematisch war. Die Bahn konnte über die Weichen direkt in die einzelnen Gruben hinein fahren, wo die Gleise je nach Abbaufortschritt von Hand entsprechend weitergerückt wurden.

Die Beladung der Loren erfolgte per Hand, ab 1960 von einem Unimog mit Greifarm. 1963 wurden die Gleise mit stärkerem Gleismaterial versehen, um höhere Achslasten tragen zu können. Seit 1985 wird der Trockentorf mit einem kleinen Raupenbagger abgegraben. Im gleichen Jahr wurde noch einmal in eine neue Lok investiert. Der Bahnbetrieb wurde 1991 komplett eingestellt und das Moor ausschließlich per LKW zur Mooraufbereitung transportiert. Der Rücktransport erfolgt über ein unterirdisches Rohrleitungssystem.

Seit 1998 setzt sich der Bad Schwalbacher Kurbahn-Verein e. V. für den Erhalt der Moorbahn ein, die als Gesamtensemble mit den Moorgruben und dem Moorbadehaus unter Denkmalschutz steht. Um die Strecke wieder befahren zu können, musste sie aus Gründen des Quellschutzes teilweise neu trassiert werden und führt jetzt in einem Bogen um den Adelheidbrunnen herum. Gleichzeitig wurden die Gleise restauriert und die Wagen für die Personenbeförderung neu konzipiert. Wie auch damals schon an den Wochenenden steht die Moorbahn seit 2001 wieder als touristische Attraktion zur Personenbeförderung zur Verfügung, angetrieben von  der 1985 gekauften Lok mit der Betriebsnummer „1“. Die etwa zehnminütige Reise beginnt beim „Moorbadehaus“ und führt über die Haltestellen „Golfhaus“, „Schwalbenbrunnen“ und „Waldsee“ zur Endstation „Moorgruben“. Fahrgäste können zwischendurch eine Pause einlegen und bei der nächsten Fahrt wieder zusteigen. Den aktuellen Fahrplan und die Fahrpreise finden Sie unter www.kurbahn-verein.de.