Geschichte

Als ,,Langinswalbach" wird die Stadt erstmals im Jahr 1352 urkundlich erwähnt. Der alte Siedlungskern, auch Unterflecken genannt, entwickelt sich zwischen Aar- und Heimbachtal, wobei die Nutzung der Wasserkraft der Bäche eine besondere Rolle spielt. Schafhaltung und Wollweberei verschafft den Einwohnern des Dörfchens Langenschwalbach ein bescheidenes Einkommen. Den Mittelpunkt bildet ein eigenes Gotteshaus, die heutige Martin-Luther-Kirche, mit der Jahreszahl 1471 über dem Choreingang das älteste Baudenkmal der Stadt.
 
Schon im 16. Jahrhundert erfährt der Wormser Arzt Jakob Theodor, nach seinem Geburtsort Bergzabern „Tabernaemontanus" genannt, von der Heilwirkung der Langenschwalbacher Mineralbrunnen. Die Ergebnisse seiner erfolgreichen Therapieversuche mit dem Schwalbacher Heilwasser finden Niederschlag in dem 1581 erschienen Buch „Neuw Wasserschatz", das den guten Ruf der Schwalbacher Quellen weit verbreitete. Der Weinbrunnen wird zum Mittelpunkt der Trinkkur und gesellschaftlicher Treffpunkt. Es entstehen Promenaden, Logierhäuser und eine Sommerresidenz der Landgrafen, das „Rotenburger Schlösschen". Der Oberflecken mit seinen Kureinrichtungen beginnt sich zu entwickeln. Die Badekur hingegen findet zunächst im Unterflecken in den Badehäusern am Brodelbrunnen statt. Mit seinem berühmten Kupferstich von 1631 hält Matthäus Merian, selbst langjähriger Kurgast am Ort, diese für die frühere Badekur so bedeutende Zeit fest.
 
Nach Beendigung des 30jährigen Krieges 1648 entwickelt sich der Ort zu einem der führenden Luxusbäder Deutschlands. Anlässlich des Fürstenkongresses 1670 verfasst der Philosoph Leibnitz hier seine Denkschrift zur Bildung einer „teutsch-gesinnten Allianz" gegen die kriegerischen Unternehmungen Ludwigs XIV.. Ein schillerndes Bild des Badelebens mit seinen festlichen Diners, Musikgesellschaften und Bällen, den Hazardspielen, Hetzjagden, Spazierfahrten, mit seinen in den Boutiquen angebotenen Luxuswaren gibt die 1739 erschienene Badeschrift „Amusemens des eaux de Schwalbach..." des Franzosen Mervilleux.
 
Einen einträglichen Gewerbezweig bildet der Versand des stark eisenhaltigen, kohlensäurereichen Schwalbacher Wassers. Über wichtige Handelsplätze wie Frankfurt am Main wird das Wasser des Weinbrunnens in Fässern und Krügen bis nach Frankreich, Holland, in die Schweiz oder nach Prag versandt, teilweise mit Wein vermischt zur Erhaltung der Frische.
 
Mit der Aufwertung des Stahlbrunnens durch Dr. Schweizer entstehen große Baupläne zum Ausbau des Stahlbrunnentales gegenüber der landgräflichen Residenz. Doch die Zeit des politischen Umbruchs in Europa am Ende des 18. Jahrhunderts wirkt sich auch auf das Kurleben aus und führte zu einem wirtschaftlichen Einbruch.
 
Den durch die Nassauischen Herzöge eingeleiteten Reformen im Medizinalwesen und ihrer Förderpolitik zum Ausbau der Kurorte verdankt Bad Schwalbach seine zweite große Blütezeit im 19. Jahrhundert. Für die Badekur wird am Weinbrunnen ein modernes Badehaus, das Stahlbadehaus, gebaut, einhergehend mit der Neufassung der Quellen, dem Bau eines geschlossenen Wasserleitungssystems, mit Kanalisation, Pflasterung und Beleuchtung der Straßen. Auch im Logierwesen werden die Impulse angenommen. Am Eingang zum Kurpark entsteht das „Hotel de la Promenade", der heutige „Alleesaal".
 
Große Badeärzte, wie Fenner von Fenneberg (1798 bis 1848) oder später Adolph Genth (1838 bis 1888), tragen mit ihren Schriften zu einer erfolgreichen Außenwerbung bei. Besonders werbewirksam erweist sich der Reisebericht des englischen Kurgastes Sir Francis Head mit dem Titel „Bubbles from the Brunnens of Nassau", in dem er die Erlebnisse seines Badeaufenthaltes stimmungsvoll wiedergibt. Das Erscheinen seines Buches in London 1834 löst einen großen Zustrom englischer Kurgäste aus. Langenschwalbach entwickelte sich zusehends zu einem Badeort von europäischem Rang. Im Sommer 1864 weilen die französische Kaiserin Eugenie und die russische Zarenfamilie zur Kur. Viele Gäste kommen aus den Vereinigten Staaten.
 
Die fortschrittliche Bäderpolitik wird im Königreich Preußen, zu dem Schwalbach ab 1866 gehört, fortgeführt. Ab 1879 besitzt Schwalbach ein repräsentatives „Conversations- und Gesellschaftshaus", das heutige Kurhaus. Den Bauauftrag erhält der Wiesbadener Baumeister Philipp Hoffmann, nachdem er wenige Jahre zuvor für die zahlreichen englischen Gäste die Englische Kirche gebaut hat.
 
Zur gleichen Zeit führt Dr. Böhm die Moortherapie ein. Wegen des großen Zuspruchs dieses neuen Kurmittels, wird 1905 mit damals modernster Aufbereitungs- und Badetechnik die königliche Moorbadeanstalt eröffnet, das Moorbadehaus in der Parkstraße.
 
Im ersten Weltkrieg dient Bad Schwalbach als Lazarett-Standort. Es folgt eine französische und englische Besatzungszeit. Bad Schwalbach - der offizielle Stadtname seit 1927 - hat begonnen sich vom Fürsten- zum Sozialbad zu wandeln. Nach der Übernahme des städtischen Kurbesitzes durch den Preußischen Staat Anfang der 30er Jahre bekommt das Kurviertel mit dem Bau des Staatlichen Kurhotels, aber auch durch den Rückbau des Kurhauses und die Neugestaltung der Weinbrunnenanlage moderne Gesichtszüge.
 
Der zweite Weltkrieg führt zu einem erneuten Einbruch im Kurwesen. 1952 wird Bad Schwalbach Staatsbad des Landes Hessen. Umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen in den bestehenden Kureinrichtungen und die Neuansiedlung großer, gut ausgestatteter Kliniken zwischen dem Weinbrunnen- und Stahlbrunnental schaffen wieder einen florierenden Kurort. Hauptindikationen sind Frauenleiden, Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates. Das milde, sauerstoffreiche Reizklima des Naturparks Rhein-Taunus ist ein weiterer wichtiger Heilfaktor.
 
Nach einer Phase der Neuorientierung in den 90er Jahren weist sich Bad Schwalbach zudem als gut ausgestattetes regionales Gesundheitszentrum aus, mit modernem Kreiskrankenhaus, orthopädischen, geriatrischen Fachkliniken, verschiedenen Senioreneinrichtungen sowie einem breiten Spektrum an Gesundheitsangeboten. Seit dem 01.01.2004 ist das frühere „Hessische Staatsbad Bad Schwalbach" Eigenbetrieb der Stadt.
 
Ausführliche Informationen rund um die Geschichte Bad Schwalbachs mit vielen Exponaten aus der "guten alten Zeit" finden Sie im 2002 eröffneten Kur-, Stadt- und Apothekenmuseum hinter dem Rathaus in der Pestalozzistraße.
 
 

Text: Waltraud Schuster, Bad Schwalbach