Limes

Salvete amici montium taunensium - Gegrüßt seid ihr, Freunde der Taunusberge!

 

Ende des 1. Jh. n. Chr. zunächst als Postenweg (limes, lat.: Schneise, Weg) mit Wachttürmen angelegt, wurde der Limes in den anschließenden Jahrzehnten mit Palisade, Wall und Graben und z. T. mit einer Mauer ausgebaut. In der Nähe entstanden Militärlager (Kastelle), deren Besatzungen die Grenze überwachten. In Siedlungen vor den Kastellmauern lebten Händler und Handwerker, aber auch die Familien der Soldaten. Der Limes diente neben der sichtbaren Markierung der Außengrenze des Römischen Reiches im Norden dazu, den Personen- und Warenverkehr zur Kontrolle und Zollerhebung auf bestimmte, von Soldaten überwachte Durchgänge zu lenken.

Mit insgesamt 550 km Länge, 900 Wachtürmen sowie 120 Kastellen bildet der Limes eines der eindrucksvollsten archäologischen Denkmäler Mitteleuropas. Durch den Eintrag in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO genießt die antike Grenze zwischen dem römischen Imperium und den Germanen internationalen Schutz.

In Hessen reicht der als Welterbe anerkannte Abschnitt von Grebenroth im Rheingau-Taunus-Kreis bis Seligenstadt am Main. Die 153 km lange Strecke mit 18 großen und 31 kleinen Kastellen sowie über 200 Wachtturmstellen verläuft dabei über die bewaldeten Höhen des Taunus und schließt in einem großen Bogen das fruchtbare Gebiet der Wetterau ein.

Im Rheingau-Taunus-Kreis erstreckt sich der Limes auf einer Länge von 34,5/41,7 km mit 58 Wachtürmen und sechs Kastellen.

Auf die Spuren der Römer begeben kann man sich auf dem Wanderweg, der zwischen Lindschied und Adolfseck am ehemaligen Verlauf des Limes entlangführt.

 

Zum Verlauf des Limes
von Georg Harz, Lindschied

Der Limes kommt von Kemel her über den "Galgenkopf" (heute Teil einer Bundeswehranlage) und trifft kurz hinter diesem auf die Gemarkungsgrenze von Lindschied. Er stößt hier auf die sehr alte Straße, die von Wiesbaden nach Bad Schwalbach über Lindschied nach Kemel und weiter bis nach St. Goar, Bad Ems und Koblenz führt. Er läuft dann fast parallel zu dieser Straße (Kemeler Weg) an den Wachtürmen 51, 52 und 53 in Richtung Lindschied bis zum Silberberg, überquert den Hohensteiner Weg kurz hinter dem neuen Wasserhochbehälter, schlägt einen Bogen um Lindschied am alten Wasserbehälter vorbei in Richtung Aussiedlerhof Diefenbach (Wachturm 54), überquert und kreuzt zwei Wirtschaftswege und läuft in östlicher Richtung auf den Waldrand zu (Wachturm 55), springt etwa 40 m zurück und mündet in einem großen Felsspalt.
Von hier aus strebt der Limes mit Gefälle dem Aartal zu und überquert ca. 40 m vor dem Kleinkastell bei Adolfseck das Aartal (zwischen Bahnkilometer 25,6 und 25,7). Bei Bahnkilometer 25,7 ist der Justinus-Felsen. Hier hat sich ein römischer Legionär mit seinem Namen verewigt. In diesem Felsen ist folgende Inschrift zu lesen "Januarius Justinus". (Weitere Informationen dazu siehe unten.) Von dem Kleinkastell im Aartal ist heute leider nichts mehr zu sehen. Der sogenannte "Frankenberger Pass", ein römischer Übergang über das Aartal beim Kastell Adolfseck, war in der Römerzeit von militärischer Wichtigkeit. Dieser Übergang vom Lindschieder Grund in das Pohlbachtal über das gesamte Aartat muss aus einer Brücke bestanden haben. Bei Ausgrabungen im gesamten Bereich des Kastells und des Limes fanden sich mehrere Pfahlstümpfe mit eisernen Schuhen. Diese Ausgrabungen fanden 1897, 1899 und 1901 statt. Selbst im Jahre 1969 wurden bei der Aarbachregulierung noch Pfahlstürnpfe gefunden. Der Limes verläuft von diesem Kleinkastell bei Adolfseck in Richtung Osten. In der Gemarkung Adolfseck gibt es einen älteren und einen jüngeren Limes. Der ältere Pfahlgraben war dem Gelände angepaßt, die jüngere Linie zog in schnurgerader Richtung durch offenes Gelände den Hang hoch in Richtung Born.

 

Der Justinusfelsen

In Adolfseck findet man die einzige in Deutschland bekannte römische Felsinschrift. Nördlich der Grenzlinie, also schon außerhalb des römischen Gebietes, befindet sich ein 3,80 m hoher Felsen aus blauem Tonschiefer, der seit der Entdeckung der zweizeiligen Inschrift IANV / ARIVS IVSTINVS, die erstmals 1870 publiziert wurde, Justinusfelsen genannt wird. In einer Höhe von 1,50 m ist auf der Fläche von 47 cm x 10,5 cm der Personenname mit 3 bis 6 cm großen Buchstaben verewigt. Keiner weiß, wer das war, woher er kam und was er hier getan hat. Die Nähe zum Limes lässt vermuten, dass es sich um einen römischen Soldaten gehandelt hat. Im Jahre 2000 sind die Buchstaben farbig gefasst worden, um die Inschrift hervorzuheben und zugleich gegen schädliche Witterungseinflüsse zu schützen.

 

Das Kleinkastell Adolfseck

Im Talgrund bei Adolfseck (zwischen Bahnkilometer 25,6 und 25,7 der Aartalbahn) lag hinter den Sperranlagen das 18 x 2 m große Kleinkastell Adolfseck. Das Steinkastell war von zwei Gräben umgeben und besaß ein dem Limes zugewandtes Tor. Von dem Kastell ist heute leider nichts mehr zu sehen.

 

Südlich der bekannten Limesstraße dürfte eine ältere Limeslinie das Aartal gequert haben.

Bei Ausgrabungen im gesamten Bereich des Kastells und des Limes fanden sich mehrere Pfahlstümpfe mit eisernen Schuhen, die auf eine Brücke an dieser Stelle im Aartal hindeuten. Das an der strategisch bedeutenden Verengung des Aartals gelegene Kleinkastell sicherte sowohl die Brücke als auch die wichtigen Nachschubwege von den Kastellen Kemel und Holzhausen. Der Limes verlief vom Kleinkastell bei Adolfeck in Richtung Osten zum Kastell Zugmantel.