Kirchen

 

Martin-Luther-Kirche (Adolfstraße 145)

Die 1471 erbaute Martin-Luther-Kirche ist das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Die ursprünglich katholische Kirche wurde der Überlieferung nach der heiligen Anna geweiht und ist seit 1527 lutherisch.

Das äußere Erscheinungsbild zeigt eine deutlich abgesetzte Dreiteiligkeit von Turm, Schiff und Chorraum. Auffallend ist die Übereinstimmung der gotischen Elemente von Turm und Chor, während das Schiff stark abweicht. Dies ist wahrscheinlich auf den Brand Langenschwalbachs während des 30jährigen Krieges zurückzuführen, der auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen hat. Den 53 Meter hohen Turm ziert eine stilisierte Lilienkrone. Der abschließende Hahn wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneuert und umschließt einen kleinen eisernen Hahn, der wohl ursprünglich hier angebracht war.

Bevor im 19. Jahrhundert die Eingangstür im Kirchenschiff entstanden ist, befand sich der Eingang im Turm. Dieser von einfachem frühgotischem Gewölbe bestimmte Durchgang zeigt wohl den ältesten Teil des Gotteshauses.

Aus vorreformatorischer Zeit stammt der gotische Tabernakel im Chorraum, in dem ursprünglich Brot und Wein aufbewahrt wurden. Ein großes Epitaph (Grabdenkmal) zeigt den Ritter Johann Gottfried von Berlichingen, einen Enkel des berühmten Götz von Berlichingen, des Ritters „mit der eisernen Hand“. Er starb hier 1588 während einer Kur und wurde in seiner Heimat beigesetzt.

Eine kunsthistorische Besonderheit sind die 18 Grisaille-Bilder, eine Grau-in-grau-Malerei von 1651 mit Darstellungen aus dem Lebens- und Leidensweg Jesu, die jahrzehntelang als Rückenlehnen der Kirchenbänke dienten. Im Jahr 1992 wurde eine historische Stumm-Orgel von 1846 eingebaut. Sie erklingt zu Gottesdiensten und Konzerten.
Die Martin-Luther-Kirche ist Mittwoch, Freitag und Sonntag in der Regel von 14.30- 16.30 Uhr für die stille Andacht geöffnet. Da die Öffnung der Kirche durch ehrenamtliche Mitarbeiter erfolgt, sollten auswärtige Besucher zur Besichtigung einen Termin vereinbaren

 

St.-Elisabeth-Kirche (Kirchstraße 7)

Seit 1527 herrschte in unserem inzwischen hessischen Ort die reformatorische Lehre. 1652 entwickelte sich aber wieder allmählich ein katholisches Gemeindeleben, als Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg zur katholischen Kirche zurückkehrte und unmittelbar neben dem Rotenburger Schlösschen einen Bauplatz für eine katholische Kirche zur Verfügung stellte. Dort entstand 1658 eine erste der Patronin Elisabeth von Thüringen, die aus Ungarn stammende Ahnherrin des hessischen Landgrafenhauses, geweihte Kirche.

Als Seelsorger wirkten hier bis zur Säkularisation 1803 Franziskaner. Ihr Kloster war das 1771 erbaute heutige Pfarrhaus.

Nach den grundlegenden Strukturveränderungen der napoleonischen Zeit und der preußischen Zeit Nassaus, die durch den Kulturkampf stark belastet war, konnte sich erst nach 1870 das Gemeindeleben wieder frei entfalten.

Zuzüge und eine starke Bevölkerungsvermehrung ließen auch die Zahl der Gläubigen rasch ansteigen, so dass die Kirche zu eng wurde. Trotz des Krieges wurde im November 1914 das alte Gotteshaus abgerissen und mit dem Bau der heutigen größeren Kirche begonnen, die am 10. September 1916 von Bischof Kilian geweiht wurde.

Im 55 Meter hohen Turm der Pfarrkirche, der von einem 5,5 m hohen Turmkreuz mit der Dornenkrone, den drei Nägeln und dem Christuszeichen IHS überragt wird, hängen vier Bronzeglocken, die im 2. Weltkrieg beschlagnahmt und in den Jahren 1953/54 neu gegossen wurden. Die größte Glocke wiegt 30 Zentner. Die heutige Kirche besteht aus einem kurzen und breiten Hochschiff mit einem hohen und zwei niedrigen Seitenschiffen. Elemente des Renaissancestils in der gewölbten Kassettendecke, die kleinen an romanische Bauten erinnernden Fensterlichtungen und mit Jugendstilornamenten geschmückte Kapitelle, Torbogen sowie perlmuttfarbene Fenster der Orgelempore findet man an diesem Bauwerk. Das Taufbecken und die Grabplatten in der Außenwand stammen aus der barocken Vorgängerkirche.

 

Reformationskirche (Adolfstraße 34)

Die Reformationskirche wurde 1729 bis 1740 von den aus Rhens am Rhein zugewanderten reformierten Christen gebaut. Erst 1933 erhielt sie ihren heutigen Namen, zum Gedenken an den 450. Geburtstag Martin Luthers. Bis dahin wurde sie zur Unterscheidung von der Martin-Luther-Kirche „obere Kirche“ genannt.

Die Hallenkirche entstand auf Veranlassung des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel, dessen Porträt sich mit der Jahreszahl 1729 auf je einer silbernen und einer goldenen Gedenkmünze befand, die in die beiden dicken Steinblöcke, die man aus der Ruine der Burg Adolfseck herausgebrochen hatte, eingelassen waren. Die erst notdürftig fertiggestellte barocke Kirche hatte eine miserable Akustik und erhielt erst etwa 20 Jahre später teilweise Sandsteinplatten statt Dielen als Fußboden, eine Eingangstreppe, Fensterläden und einen von einem Wetterhahn gekrönten Dachreiter, der die Glocke aufnahm.

Die Reformierte Kirche, die sich von der anfänglich einheitlichen Lutherischen Kirche abgespalten hatte, die sich durch eine andere Auffassung vom Abendmahl, in der Prädestinationslehre und in der Kirchenverwaltung unterschied, wurde 1817 in der so genannten „Idsteiner Union“ wieder zu einer gemeinsamen evangelischen Landeskirche vereinigt. Da lange unklar war, was endgültig aus den nun zwei Kirchengebäuden werden sollte, wurde die obere Kirche 1823 bis 1825 nur halbherzig renoviert. Sie erhielt zwei Seitenemporen für zusätzliche Kirchenbänke und größere Fensteröffnungen. Eine leicht gewölbte mit Papier bezogene Bretterdecke sollte die Akustik verbessern, Haupteingang und Treppe zur Stadtseite hin wurden verbreitert. Erst 1838 erhielt sie die lange geforderte neue Orgel.

1903 wurde die obere Kirche nach Plänen des Architekten und Kirchenbaumeisters Ludwig Hofmann umgebaut. Eine moderne Ofenheizung wurde installiert, die Holzdecke wurde von der Oberseite mit Lehm isoliert, von der Unterseite verschalt, die Seitenemporen wieder abgerissen. Die von einem breiten Mittelgang getrennten Bankreihen wurden zusammen geschoben, der Innenraum im historischen Stil ausgemalt und eine neue bunte Fensterverglasung eingesetzt. Eine überdachte Eingangshalle an der Westseite wurde als Aufgang zur Empore errichtet, sodass im Kircheninneren Platz für weitere Bankreihen entstand. Nicht zuletzt gab es eine neue Orgel, die Walckerorgel. 1924 kamen neue Kirchenglocken als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzenen.

1970 wurde das Gemeindehaus gebaut und die Kirche erhielt moderne Fenster mit der Darstellung der vier Elemente und nochmals eine neue Orgel. Der schwarze Marmoraltar wurde durch einen schlichten Holzaltar ersetzt. Im Zuge einer weiteren Renovierung 2005 wurde unter anderem die Kanzel von der Mitte hinter dem Altar auf die rechte Seite näher an die Gemeinde versetzt. Das Innere ist zu einem hellen, einladenden Kirchenraum geworden.

 

Englische Kirche (Goetheplatz 2)

Nach dem Erscheinen des Buches "Bubbles from the Brunnen of Nassau - by an old man" 1834 von Sir Francis Head, in dem er anschaulich das Badeleben in Bad Schwalbach schilderte und die Wirkungsweise des örtlichen Heilwassers anpries, gab es einen regelrechten Run englischer Kurgäste auf Bad Schwalbach. Das Bedürfnis nach englischsprachigen anglikanischen Gottesdiensten* hatte zur Folge, dass Baumeister Philipp Hofmann mit dem Bau eines eigenen Gotteshauses beauftragt wurde, das mithilfe von Spenden der Bevölkerung und von Kurgästen fertiggestellt werden konnte. Die im Jahre 1875 eingeweihte Kirche erhielt den Namen „Christus-Kirche“. Ein anglikanischer Pfarrer wurde regelmäßig zur Kursaison in den Sommermonaten nach Bad Schwalbach abgeordnet. Seit den 1930er Jahren stand die Kirche leer und drohte zu verfallen. 1956 kaufte die neuapostolische Gemeinde das Gebäude, restaurierte es und feiert dort noch heute ihre Gottesdienste.

In der ehemaligen anglikanischen Kirche ist heute die neuapostolische Gemeinde zu Hause.

*Die anglikanische Kirche ist eine weltweite christliche Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und katholische Glaubenselemente vereinigt.

 

Kreuzkirche (Erbsenstraße 28)

Die Kreuzkirche Bad Schwalbach wurde im Jahr 1992 fertiggestellt und ist somit das jüngste Kirchengebäude im Ortskern von Bad Schwalbach. Dort versammelt sich die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und deren Freunde. Modern, funktional, aber trotzdem mit viel Atmosphäre für Stille, Meditation und Anbetung, wurde der Bau geplant. Im Obergeschoss befindet sich der Gottesdienstraum, der mit seinen großen Fensterflächen viel Licht einlässt und so sehr einladend wirkt. Darüber hinaus besitzt der Raum eine hervorragende Akustik und wird auch von lokalen Künstlern sehr geschätzt und immer wieder für unterschiedliche Konzerte zur Verfügung gestellt. Die bunten und inspirierenden Motivfenster im vorderen Teil des Gottesdienstraums erzählen in zwei Strängen die alt- und die neutestamentliche Heilsgeschichte der Bibel, und enden weiter oben in zwei ausgestreckten Händen Gottes, die sich dem Betrachter entgegenstrecken. Darunter befindet sich das Taufbecken. Es ist circa drei Meter lang, da Baptisten nur Erwachsene taufen, und zwar nach biblischem Vorbild durch Untertauchen. Im Untergeschoss befinden sich Gruppenräume und eine Küche.

 

Kirche Adolfseck

Als die zur Burg gehörende Valentinskapelle für die wachsende Dorfbewohnerzahl nicht mehr ausreichte, wurde im Jahr 1500 von Graf Engelbert von Nassau-Idstein der Bau der heutigen Kirche veranlasst. Zwei aus dieser Zeit stammende Glasfenster sind heute noch erhalten. 1506 bekommt die Adolfsecker Dorfkirche ihren ersten Pfarrer. Die erste Glocke wird 1512 installiert, eine zweite im Jahre 1554. 1680 erhält die Kirche das noch heute vorhandene Gestühl. Die Kanzel mit dem schön geschnitzten Fuß bereichert die Kirche seit 1692. 1785 wurde die Kirche renoviert und ein Dachreiter hinzugefügt. 1807 wird sie erneut renoviert, der steinerne Altar durch einen hölzernen ersetzt und eine gebrauchte Orgel gekauft. 1826 erhielt sie einen neuen Turm. 1874 wurde Adolfseck der in Langenschwalbach eingerichteten zweiten Pfarrstelle mit eigenem Kirchenvorstand zugeordnet. Die vorhandenen Glocken wurden durch zwei größere ersetzt. Nach gründlicher Sanierung erhielt die Kirche 1893 eine neue Orgel und ein Jahr später für das Taufbecken eine neue Taufschüssel. 1907 wurde die Kirche innen erneut renoviert und dabei an der Südwand ein altes Wandgemälde mit der Grablegung Christi freigelegt. Im ersten Weltkrieg musste 1916 die größere der beiden Kirchenglocken abgegeben werden, die kleine hatte einen Sprung. Ebenso wurden die Zinnpfeifen des Prospektes der Orgel konfisziert und durch Zink ersetzt. 1924 bekommt die Kirche elektrisches Licht, an der Orgel jedoch erst zwei Jahre später. 1927 kaufte die Gemeinde zwei neue Bronzeglocken. Vor der Währungsreform 1948 wurde die Empore im Chorraum, die die Fenster verdeckte, abgerissen, das Innere gestrichen und die Turmuhr instand gesetzt. Im Zweiten Weltkrieg musste abermals die größere Glocke abgegeben werden, die durch eine Spende der Adoptivtochter Adolphus Buschs 1952 ersetzt werden konnte. 1962 wurde die Kirche innen komplett renoviert, wobei der aus Sandstein gehauene Opferstock entdeckt wurde, der vermutlich so alt ist wie die Kirche. 1964 wurden Turm- und Dachreparaturen durchgeführt, 1983 stand dann wieder eine Kirchenrenovierung an, 1991 dann eine gründliche Außenrenovierung mit Sanierung der Kirchentüren, Wetterhahnvergoldung und Restaurierung des Zifferblattes der Kirchenuhr. 1996 konnte eine aufwändige Sanierung der Kirchenfenster realisiert werden.
Die evangelischen Gottesdienste finden in Adolfseck in 14-tägigem Rhythmus und zu besonderen Anlässen statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.kirchengemeinde-adolfseck.de.

 

Kapelle Maria, Hilfe der Christen (Lindschied)

Die Lindschieder Katholiken hatten einen weiten, besonders im Winter beschwerlichen Weg zum sonntäglichen Gottesdienst. Die behelfsweise Lösung eines 14-tägig im ehemaligen Kinosaal der Villa Lilly in Lindschied stattfindenden Gottesdienstes war unbefriedigend und so wurde trotz schwerer Bedenken der Entschluss zum Bau einer Kirche gefasst. Da das Bischöfliche Ordinariat keinen Zuschuss geben konnte, war die Gemeinde auf Spenden und Eigenleistung angewiesen. Der Bauplatz wurde vom Kirchenvorstandsmitglied Philipp Weis kostenlos zur Verfügung gestellt, das Bauholz von den Bürgern. Der Wiesbadener Architekt Paul Johannbroer übernahm kostenlos die Planung und Bauführung. Immer wieder fanden sich wohltätige Firmen, die der armen Gemeinde entgegenkamen und Arbeiten sogar kostenlos ausführten. Beeindruckt von der Leistung der 140 Katholiken half nun auch die bischöfliche Behörde und der Bonifatiusverein weiter. Im August 1955 wurde die Marienkirche in Lindschied feierlich eingeweiht.

Das 120 Gläubigen Platz bietende Gotteshaus schmücken ein königliches Kreuz über dem Altar und an der Seite die Schutzmantelmadonna „Maria, Hilfe der Christen“, beides von dem Bildhauer Franz Bernhard. Die engagierten Gemeindemitglieder ruhten dennoch nicht, bis im Herbst in dem noch leeren offenen Glockenstuhl eine Glocke hing. Die "Marienglocke" mit der Inschrift "Die auf den Herrn hoffen, die werden nicht fallen, sondern ewiglich bleiben" konnte jedoch anfangs nicht in ganz Lindschied gehört werden, so dass in den darauffolgenden Jahren der Glockenturm erhöht und geschlossen wurde. Ende der 1970er Jahre wurde ein auf festem Fundament gebauter Aufbewahrungsraum in einen Gemeinderaum mit Teeküche umgebaut. 1962 wurde die Kirche mit einer Orgel komplettiert. Damit der Pfarrer den Gottesdienst mit Blick zur Gemeinde halten konnte, wurde im Juli 1973 der Altar erneuert. Da die Kirche inzwischen teilweise renovierungsbedürftig geworden ist und von Seiten des Bistums keine Mittel gezahlt werden, wurde 2009 der Förderverein zur Rettung der Marienkirche gegründet, um die Kirche vor dem Verfall zu retten. Über viele Jahre feierte die katholische Kirchengemeinde regelmäßig ihre Sonntagsgottesdienste in der Marienkirche. Heute wird die Kirche auch von der evangelischen Kirchengemeinde und ökomenisch genutzt.

 

Kapelle St. Josef (Hettenhain)

1951 bis 1952 entstand die ursprünglich katholische Kirche in Hettenhain für die bis zu 100 Gläubigen, die sich regelmäßig sonntags ursprünglich in einem kleinen Saal zum Gottesdienst versammelten. Es war in einer schwierigen Zeit während der Währungsreform kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und Geld war nur wenig vorhanden. Die heute ökumenisch genutzte Kirche wird mangels Zuschüssen hauptsächlich durch den Förderkreis zur Erhaltung der Kirche und ehrenamtlichen Helfern instand gehalten.

 

Kapelle Langenseifen

Jüngster Sakralbau in Bad Schwalbach ist die 2012 fertig gestellte evangelische Kapelle Langenseifen. Eine eigene Kapelle zu errichten war ein lang gehegter Wunsch der zur Kirchengemeinde Bärstadt gehörenden Bevölkerung, die weite Wege zurücklegen musste, um an einem Gottesdienst teilzunehmen. Die Pfarrchronik berichtet bereits 1910 vom ersten Anlauf, der so erfolglos blieb wie der zweite 1927.

Erst der dritte Versuch, grundlegend begünstigt durch die großzügige Spende des ehemaligen Kirchenvorstehers Werner Ernst, brachte den Startschuss für den Traum eines eigenen Gotteshauses. Ernst schenkte 2001 der Kirchengemeinde Ackerland mit der ausdrücklichen Bitte, dort eine Kapelle zu errichten.

Vier Jahre später schuf der Bildhauer Holger Walter den Altar, der aus einer 3,92 Meter hohen und rund sechs Tonnen schweren Basaltlavasäule aus der Eifel besteht. Er wurde am 11. September 2005 in einem Festgottesdienst der Kirchengemeinde übergeben. 2010 erfolgte dann die Grundsteinlegung für die Kapelle, die um die zunächst freistehende Altarskulptur herum errichtet wurde. Der von der Architektin Barbara Schmid entworfene kuppelartige Rundbau auf 85 m² lässt eine kreisrunde Öffnung im Fußboden frei, aus der die Altarsäule etwa einen Meter in den Kapellenraum ragt. Die besondere Kuppelform des Gebäudes zeichnet den Hang nach und fügt sich perfekt in das natürliche Umfeld. Die aus 32 unterschiedlich gebogenen Leimholzbindern bestehende Kuppel ist so konzipiert, dass sich die einzige Tageslichtöffnung direkt über dem Altar befindet und dieses Kunstwerk in Szene setzt. Gleichzeitig wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert.

Für den Bau wurden ausschließlich heimische, unbehandelte Hölzer verwendet. Während die Innenschalung und der Innenausbau aus Weißtanne besteht, wurde für die Holzaußenschalung Lärche in verschiedenen Stärken und Breiten gewählt, weil Lärche nicht nur robust und langlebig ist, sondern auch natürlich vergraut und sich so langfristig in die Landschaft einbindet.

Das von Thomas L. Fuhrich stammende Lichtkonzept hatte sich dem Raumkonzept unterzuordnen. Die notwendigen Leuchten sollten weitestgehend zurückgestellt sein und in den Hintergrund treten. So schmeichelt das Kunstlicht dem Raum, um dem sakralen Ort eine besondere Stimmung zu geben.

Die Kapelle auf dem Feld besticht aber nicht nur durch seine ungewöhnliche Optik, sondern auch durch eine außergewöhnliche Akustik, was Gottesdienste und Konzerte zu einem besonderen Erlebnis macht.

Die minimalistische Einrichtung beschränkt sich auf das Wesentliche. Links hinter dem Altar findet man ein dezent an der Wand angebrachtes Metallkreuz, das einem Hirtenstab nachempfundenes ist. Auf der rechten Seite ruht eine Bibel zwischen den Konstruktionshözern. Frei daneben steht eine Kerze auf einem einfachen Metallständer. Schlicht sind auch die Polster der Stühle und die Rückeneinbände der Gesangbücher, die sich am dunklen Altarstein orientieren. So kann der Raum seine Schönheit in vollen Zügen präsentieren.

In einem Festgottesdienst am 3. Juni 2012 mit dem Kirchenpräsidenten der EKHN, Dr. Volker Jung, erfolgte feierlich die Übergabe an die Gemeinde. Damit hat sich nun ein hundertjahrelanger Wunsch erfüllt.

Weitere Informationen über die Kapelle sowie Führungen und Konzerte finden Sie auf www.kapelle-langenseifen.de.