Villa Lilly

Oberhalb von Lindschied in Richtung Heimbach liegt die damalige Sommerresidenz von Adolphus Busch, die er in den Jahren 1891 bis 1911 errichtete.

Das 39 ha große Anwesen Villa Lilly umfasst neben dem Haupthaus, das den Namen seiner Frau trägt, das Haus Claire sowie weitere kleinere auf dem Gelände verteilte historische Häuser. Die Wirtschaftsgebäude sind um einen an einen Dorfplatz erinnernden Hof gruppiert; die Wohnhäuser des Personals, das das Anwesen ganzjährig bewirtschaftete, verteilen sich etwas versteckter auf dem Gelände. Zur Villa Lilly gehörte einst auch ein privater Märchenpark und ein Freigehege mit Wild. Die Gebäude stehen heute sämtlich unter Denkmalschutz.

 

Adolphus Busch wurde 1839 als zweitjüngstes von 22 Kindern der Familie Busch in Mainz-Kastel geboren und wanderte als 18-Jähriger nach Amerika aus. Er ließ sich in St. Louis nieder, wo er in die Großhandelsfirma einstieg, die er 1865 übernahm und als Großhandelshaus Adolphus Busch & Co. führte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die aus Bad Kreuznach stammende Lilly Anheuser geheiratet, deren Eltern in St. Louis eine Brauerei besaßen. Sein Schwiegervater motivierte ihn, die Geschäftsleitung des Brauhauses Anheuser & Co. zu übernehmen, das er bis zum Verkauf seines Großhandelshauses 1869 parallel leitete.

In den frühen 1870ern hörte Busch von der Methode der Pasteurisierung und wandte sie mit großem Erfolg als erster in den USA auf Bier an. Als Anheuser starb, wurde Busch Präsisent der Anheuser-Busch Brewing Association, der inzwischen größten Braustätte in den USA. Das ebenfalls von Busch unter dem Namen „Budweiser“ gebraute leichte Bier sollte später das meistverkaufte Bier der Welt werden.

Der Millionär, der in den USA enormes Ansehen und Vermögen erlangt hatte, verbrachte die Sommer mit seiner Frau und den 13 Kindern gerne in Deutschland, wo er im Oktober 1913 verstarb. Sein Leichnam wurde einbalsamiert und nach Amerika überführt. Sein Herz, so ein Gerücht, soll er wortwörtlich auf dem Anwesen der Villa Lilly gelassen haben. Lilly starb 1928 in St. Louis.

 

In der Zeit des Dritten Reiches beherbergte das Anwesen ein Müttererholungsheim, nach Kriegsende ein amerikanisches Soldatenheim. Ab 1949 zog das Heim für Volksbildung und Jugendpflege ein und von 1959 bis 1972 das deutsch-schweizerische Internat Albert-Schweitzer-Schule. 1961 wurde der Komplex vom Land Hessen gekauft und später für 15 Millionen Mark aufwendig renoviert. Das Gesamtanwesen wurde zwischenzeitlich unter anderem auch von Mitgliedern der „Neuen Frankfurter Schule“, gegründet unter anderem von Hans Traxler und Robert Gernhardt, bewohnt. Von diesen wurde in der Villa die erste Ausgabe der Satirezeitschrift Titanic geplant und entworfen.

Seit 1987 wird das Anwesen als „Therapiedorf Villa Lilly“ zur therapeutischen Behandlung drogenabhängiger Menschen genutzt und ist mit 85 Behandlungsplätzen 10 Plätzen zur Aufnahme von Kindern drogenabhängiger Eltern eine der größten Einrichtungen in Deutschland. Mittlerweile ist der Besitz auf die Trägerschaft Jugendberatung und Jugendhilfe e. V. übergegangen.

Website des JJ e. V. zur Villa Lilly