Burgruine Adolfseck

 

Die Geschichte

Im Februar 1356 wird Graf Adolf I. von Wiesbaden-Idstein, von seinem Bruder, dem Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau, mit einem kleinen Besitz im Aartal belehnt. Mit diesem Lehensbrief, beginnt die verbürgte Geschichte der Burg und auch der Name Adolfseck wird darin festgelegt. Genau genommen erhält Adolf I. „ den berg und Burg mit den anderen Bergen, die zwischen Adolfseck und Swalbach und Rensfelden ... sint...“ als Anerkennung für Hilfeleistungen, die er seinem Bruder bei der Erlangung und Sicherung der bischöflichen Würde erbrachte. Das kleine Lehen liegt strategisch an der Grenze zwischen dem erzbischöflichen und dem katzenelnbogener Einflussbereich und nicht zuletzt auch dem des zweiten Bruders Johann von Nassau-Weilburg. Grund genug, den kleinen Flecken mit einer Burg zu befestigen, um seinen Besitz bei Schwalbach zu sichern, der nicht direkt mit seiner restlichen Grafschaft Nassau-Wiesbaden-Idstein verbunden ist.

Ein Dorf entsteht um die Burg, die Sicherheit bietet, und nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1367 durch Kaiser Karl IV bietet das Städtchen auch die entsprechenden Freiheiten. Die Bewohner der zwei nahe gelegenen Dörfer Rensfelden und Mackenbergs wissen dies zu schätzen. Viele ihrer Einwohner, meist Wollweber, ziehen nach Adolfseck.

Die politischen Verhältnisse stabilisieren sich in den folgenden Jahren und so verliert die Burg schon bald ihre strategische Bedeutung, aber sie bleibt lange Zeit ein beliebter Aufenthaltsort der nassauischen Grafenfamilie. Adolfs Ehefrau, Burggräfin Margarethe von Nürnberg, erhält später die Burg als Witwensitz, eine Funktion, die Burg Adolfseck in den folgenden zwei Jahrhunderten mehrmals erfüllt. In Zeiten klammer Kassen wird sie ebenso regelmäßig verpfändet.

Während des dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) wird die Burg schwer beschädigt, Rensfelden und Mackenberg gänzlich aufgegeben.

Eine letzte Blüte erlebt die Burg um 1650, als Graf Johann von Nassau-Idstein die Burg teilweise restaurieren lässt, um in den Sommermonaten samt Familie und Papagei mit Sack und Pack hier die Kursaison zu verbringen. Dreimal täglich wird das heilsame Wasser von Langenschwalbach gebracht und wie aus den Hofrechnungen hervorgeht, haben Köche, Bäcker und die anderen Bediensteten alle Hände voll zu tun, um die Hofgesellschaft zu versorgen.

Danach wird es still um die Burg und sie verfällt immer mehr. Im 18. und 19. Jahrhundert bieten die Ruinen und das malerisch gelegene Dorf nur noch eine stimmungsvolle Kulisse für die Ausflüge der Kurgäste in Langenschwalbach.

 

Die Burganlage

Die Ruine der Burg Adolfseck, einer ehemaligen Sporn-/Randhausburg, liegt auf einem Plateau über einer Aarschleife. Die Aar floss hier eigentlich südöstlich um den Burgberg. Bereits im 15. Jahrhundert wurde jedoch ein Fels durchbrochen und die Aar damit westlich um den Bergsporn geleitet und die Wiesen am ursprünglichen Lauf geflutet. Somit ist die Burg an der Hangseite durch eine für Nassau typische Weiheranlage, den heutigen Weiherwiesen, gesichert. Die Flurbezeichnung Gebück lässt noch eine zusätzliche Sicherung des Burgbergs annehmen.

Ein kleinerer Torturm mit fast quadratischem Grundriss bildet den Eingang zur Vorburg von der Dorfseite aus. Rechterhand trennen der Halsgraben und die Ringmauer die Vorburg von der ovalen Hauptburg. Der Halsgraben geht in eine Mauer über, die den 6 - 8 m breiten Zwinger im südlichen Hangbereich umgibt. Dessen Sohle liegt etwa 4 m tiefer als die Hauptburg.

Eine 1,30 - 1,50 m breite Ringmauer aus gelblich grauem Sandstein, die im Süden und Westen noch 3 - 4 m hoch über dem heutigen Niveau der Innenfläche misst, umgibt den inneren Burgbereich. Die stumpfwinklig vieleckige Führung dieser Ringmauer ist typisch für romanische Burgen und lässt eine ursprüngliche Erbauung im 13. Jahrhundert vermuten. Das Material, ursprünglich Schiefer, in einigen Bereichen mit sekundär verwendetem Quarz und vereinzelten roten Sandsteinen, deutet auf Reparaturarbeiten hin, eventuell nach Schäden im dreißigjährigen Krieg, als im Aartal reichlich Bauschutt entsteht und weder die Kassen noch die Infrastruktur aufwendige Materialbeschaffungen zulassen. Das Bruchsteinmauerwerk im Binderverband ist in unregelmäßigen Abständen mit 50 cm langen Läufern versehen und in 2 m Höhe sind noch einige Gerüsthölzer im Mauerwerk sichtbar.

Über eine Auffahrt im nordöstlichen Bereich, gelangt man zum Areal der ehemaligen Hauptburg, deren Innenfläche 55 x 40 m beträgt. Der Torturm, im Bereich der Rampe gelegen, ist auch gleichzeitig der Bergfried, an den der Palas im stumpfen Winkel anschließt. Dies ist einem 1655 veröffentlichten Stich von Merian zu entnehmen, der weitere Wirtschaftsgebäude und ein Amtsgebäude im Hintergrund zeigt. Die Skizze einer Tafelgesellschaft um 1631 von Valentin Wagner zeigt sehr schön den Torturm und einen Teil des Palas mit Erker sowie interessanterweise eine weitere niedrige Umfassungsmauer zu beiden Seiten der Vorburg. Ein Vermerk Wagners auf einer anderen Skizze lässt auf ein kleines Gartenstück innerhalb der Hauptburg schließen. Von der Innenbebauung sind heute nur noch ein Brunnen im südlichen Bereich, sowie Reste eines Gebäudes im Bereich der südlichen Ringmauer zu erkennen. Auch die ehemalige Bebauung der Vorburg ist heute nicht mehr sichtbar.

 

Der Sage nach wurde die Burg von König Adolf (1255 – 1298, König 1292 – 1298) gebaut. Er war ein Vorfahr des Bauherren Graf Adolf I. und hatte als Prinz im Krieg gegen Frankreich gekämpft. Schwer verwundet brachte man ihn in ein Kloster in der Nähe von Straßburg, wo ihn eine Novizin namens Imagina (um 1255 – 1318) pflegte. Die beiden verliebten sich ineinander und als Imagina von einem geplanten Anschlag des Bischofs von Straßburg auf Adolf erfuhr, warnte sie ihn. Gemeinsam gelang ihnen die Flucht aus dem Kloster und zurück nach Nassau. Er heiratete sie 1270 und baute für sich und seine Gattin die Burg Adolfseck. Es soll ihr liebster gemeinsamer Aufenthaltsort gewesen sein. Leider war ihnen kein dauerhaftes Glück vergönnt, denn Albrecht von Österreich zwang Adolf im Jahre 1298 zum Krieg. Adolf fiel in der Schlacht bei Göllheim. Ein Jahr später zerstörte Albrecht die Burg.